Nachdem ich gegen 15 Uhr wieder zurück am Auto war, begannen 5 lange Stunden des wartens am Auto. Verladebeginn auf der Fähre war eigentlich für 16 Uhr angesetzt, doch daraus wurde nichts - dazu später mehr. Ich war zwischenzeitlich in der Hafencaféteria unmittelbar neben den Autowarteschlangen drin und habe mit Spaghetti Bolognese bestellt. Als diese dann nach 20 Minuten endlich kamen, stellte ich fest, daß diese nichtmal Lana fressen würde. Die Nudeln total verkocht, das Fleisch in der Sauce war undefinierbar und schmeckte mehr nach totem Fuchs als alles andere. Nachdem ich die unverschämten 8 Euro für diesen Fraß gezahlt hatte, ging ich gefrustet ans Auto und hoffte daß ich bald auf die Fähre fahren kann um bald etwas geniesbares zwischen die Zähne zu bekommen. Doch weit gefehlt: nach weiteren 1,5 Stunden in der prallen Sonne beschloss ich das Hafengelände kurz zu verlassen um nach einem Supermercado ausschau zu halten, der vielleicht irgendwo kurz zu Fuß erreichbar ist. Gefunden habe ich einen, aber die Spanier machen tagsüber lieber Siesta anstatt etwas zu arbeiten (Sie haben ja recht, aber es nervt wenn man es nicht kennt).
Also wieder zurück zum Auto. Die erste Kette vor einer der zahlreichen Autowarteschlangen ist gefallen und die ersten glücklichen konnten auf das Schiff. Ältere Autos erkannte man recht schnell als Kanarios, weil bis vor einigen Jahren die Autokennzeichen - wie in Deutschland auch - ein Stadtkürzel im Kennzeichen hatten. GC = Gran Canaria. Davon gab es recht viele.
Immer wenn eine Kette gefallen ist und die 15-20 Autos der Warteschlange weg waren, dauerte es eine halbe Ewigkeit bis es endlich weiter ging - wie gesagt, dazu später mehr *grins*. Zwischen den Reihen stiefelte andauernd ein Aufseher der Hafenbehörde entlang und hielt die wartenden - die spanisch sprachen - auf dem laufenden. Der Mann konnte aber kein Englisch und Deutsch habe ich mir direkt gespart. Endlich war meine Reihe dran. Ich startete voller Freude endlich meinen Motor und fuhr einige Meter, bis ein Mann in Zivil, welcher sich als einer von der Guardia Civil (Bundespolizei / Zoll) ausgewiesen hatte. Er fragte mich irgendwas in spanisch und entknotete danach seine Zunge wieder, während ich ihm klar machte, daß ich Kanacke bin und ihm ein freundliches “no comprende” entgegnete. Die Spanier sprechen dermaßen schnell, daß sie sich unmöglich selber untereinander verstehen können… aber gut, rein physikalisch können Bienen auch nicht fliegen und tun es trotzdem *g*. Jedenfalls war eines der folgenden Wörter “Douane” und “Control”, so daß ich endlich wusste was er von mir wollte.
Ich musste einige Meter um die Ecke fahren zu einer Garage in der ich nun kontrolliert werden sollte. Zuerst wollte der Beamte meinen Ausweis und die Fahrzeugpapiere sehen. Wusstet ihr eigentlich, daß es eine schlechte Idee ist, den Fahrzeugschein in der Sonnenblende zu deponieren wenn man ein Cabrio fährt? Richtig! Er ist spurlos verschwunden… ich werde Ihn daheim nochmal richtig suchen, weil ich mich dunkel erinnern kann, ihn in Andorra vor einigen Tagen bereit gehalten zu haben als ich die Grenze überquerte.
Jedenfalls hatte ich nur Ausweis, Internationale Versicherungskarte und die Vollmacht daß ich mein Auto benutzen darf (Aus Versicherungstechnischen Gründen läuft mein Auto auf Meli).
Zu meinem Erstaunen reichte das dem Beamten aus und ich durfte auf die Fähre fahren, nachdem ein Hund schwanzwedelnd nach Substanzen suchte, die ich zwar selten ganz gerne mal rauche aber nie dabei habe und erstrecht nicht im Auto deponiere *hrhr* (An meine Eltern: Das ist ein Scherz, sowas würde ich nie tun! An Dori: Bring was zu rauchen mit wenn Du da bist ^^).
Schließlich fuhr ich aus der Garage hinaus, nachdem ein Spanier vor mir die Garage verlassen hatte, welcher sich zuvor lautstark über die Kontrolle aufregte (Dieser Spanier wohnt auf GC und ist mein Kojen-Mitbewohner für die 36 Stunden überfahrt. Netter Kerl und kann sogar englisch).
Später stellte sich herraus, daß die Guardia Civil die ganze Zeit schon Kontrollen der Passagiere durchführte und sich deswegen das alles um mehrere Stunden verzögert hatte.
Nun habe ich gerade zu Abend gegessen. Der Andrang zur Schiffsküche war so enorm, daß ich eine halbe stunde warten musste, bis ich endlich an der Reihe war. Hätte ich vorher nichts gegessen wäre ich wohl Fensterkit nagen gegangen um dem Hungertod zu entfliehen *g*. Ich stand schließlich vor der Essensausgabe und habe voller Furcht in Erinnerung an heute Mittag wiedermal Spaghetti Bolognese bestellt. Unmittelbar danach knallte mir der Koch noch eine Art Kroketten auf einen anderen Teller, welche zwar so aussahen aber nicht aus Kartoffeln bestanden. Da ich während meiner Fahrt hier her bereits genug Essensexperimente gemacht hatte, habe ich beschlossen die Finger davon zu lassen und widmete mich meinen Nudeln die zum Glück sehr lecker waren. Dazu gabs einen gemischten Salat, welchen man sich - wie überall in Spanien - selber mit Essig und Öl anmachen musste. Aber damit kann man leben und man konnte ihn auch essen.
Momentan sitze ich in der Lounge, trinke mein Cerveza und rauche genüsslich eine Zigarette während ich diesen Text hier schreibe *prost!*.
Vom Schiff selber bekommt man recht viel mit. Es schaukelt in einer Tour und je nach dem wo man sich gerade befindet, ist der Schiffsmotor unüberhörbar und auch spürbar. Mein Navi sagt, wir fahren gerade mit 40km/h - keine Ahnung wieviele Knoten das sind, rechnet es aus *g*. An Board gibts einen kleinen Laden, welcher Zigarettenstangen verkauft (Marlboro 20 Euro, Gouloises 16,50 Euro und diverse andere Marken. Alle zu völlig unterschiedlichen Preisen. Dann gibts noch eine recht große Auswahl an Parfum, Süssigkeiten und sonstigen Kram (Souvenirs). Meinen Pullover habe ich gerad eben schon angezogen, als ich in der Koje war. Jetzt gehe ich mal nach draussen und schaue aufs Meer. Festland sehe ich schon lange keins mehr. Gute Nacht.
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